Yayoi Kusama im Stedelijk Amsterdam: Auf den Punkt gebracht

Yayoi Kusama mit „Yellow Tree / Living Room" für die Aichi Triennale, 2010.© Courtesy of Ota Fine Arts and David Zwirner/Yayoi Kusama.

Ab dem 11. September 2026 widmet das Stedelijk Museum Amsterdam der japanischen Ausnahmekünstlerin eine große Retrospektive, die ihr beeindruckendes Werk von den frühen Arbeiten bis zu ihren späten Produktionen zeigt.

Kusama ließ sich nie auf ein Medium festlegen. Ob Malerei, Skulptur, Installation, Mode, Collage, Zeichnung oder Performance: Die Künstlerin probierte sich aus, ohne dabei ihre charakteristischen Themen aus den Augen zu verlieren. Ihre berühmten Polka Dots waren längst zu einem Markenzeichen geworden und tauchten in nahezu allen Bereichen ihres Schaffens auf. Dazu kamen Spiegelräume, in denen Besucher nicht nur Kunst betrachteten, sondern plötzlich selbst Teil des Werkes wurden. Ein kurzer Blick hinein – und schon stellte sich die Frage: Wo hörte der Raum eigentlich auf?

„Infinity Mirrored Room – The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe", 2025.© Mark Niedermann/Yayoi Kusama.

Die Ausstellung nimmt Besucher mit auf eine Reise durch Kusamas außergewöhnliche Karriere: von ihren Anfängen im japanischen Matsumoto der 1950er-Jahre über ihre Zeit in New York, wo sie in den 1960er-Jahren zu einer wichtigen Stimme der Avantgarde wurde, bis hin zu ihren späteren Arbeiten aus Tokio. Neben ikonischen Werken werden auch historische Stücke gezeigt, die erstmals in Europa zu sehen sind. Außerdem entsteht eine neue Version einer ihrer berühmten Installationen eigens für die Ausstellung im Stedelijk.

„The Anatomic Explosion", Brooklyn Bridge, New York, 1968.© Shunk-Kender/J. Paul Getty Trust.

Was Kusamas Kunst so faszinierend machte: Sie war gleichzeitig verspielt und ernst, bunt und nachdenklich. Hinter den scheinbar fröhlichen Punkten und leuchtenden Farben steckte eine intensive Auseinandersetzung mit Wiederholung, Unendlichkeit und der Frage, wie wir uns selbst in der Welt verorten. Ihre Werke schufen Räume, in denen man sich verlieren konnte, ohne den Überblick zu verlieren.

„Everything About My Love", 2013.©Courtesy of Ota Fine Arts/Yayoi Kusama.
Yayoi Kusama in ihrer Installation „Narcissus Garden", Biennale Venedig, 1966© Courtesy of Ota Fine Arts and David Zwirner/Yayoi Kusama.

Die Retrospektive entstand in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler in Basel und dem Museum Ludwig in Köln und machte nach Stationen in der Schweiz und Deutschland Halt in Amsterdam. Vom 11. September 2026 bis zum 17. Januar 2027 verwandelt sich das Stedelijk Museum dann in eine Welt aus Punkten, Spiegeln und überraschenden Perspektiven – ganz im Sinne von Yayoi Kusama.

Mit dem Tod von Yayoi Kusama gewinnt die Retrospektive noch einmal eine besondere Bedeutung. Was zuvor als umfassender Blick auf das außergewöhnliche Schaffen einer lebenden Künstlerin gedacht war, wird nun zugleich zu einer Würdigung ihres Lebenswerks. Die Ausstellung bietet damit nicht nur die Gelegenheit, Kusamas ikonische Arbeiten wiederzuentdecken, sondern auch, auf das Vermächtnis einer Künstlerin zu blicken, deren Punkte, Spiegel und endlose Wiederholungen die Kunstwelt nachhaltig geprägt haben.

stedelijk.nl

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