La Katz bringt den Salon zurück

Die Wiener Marke House of Katz verpasst dem klassischen Salon ein Revival.

Wien kann vieles: Kaffeehäuser, große Bälle, noch größere Namen. Nun gibt es auch wieder einen Ort für Mode, Design und ein Glas Champagner dazwischen. Im Juni öffnete das House of Katz seine Türen. Hinter dem Namen verbirgt sich die Modemarke La Katz, die 2020 von der Designerin Laura Sänger gegründet wurde. Ihr neuer, 130 Quadratmeter großer Salon in Wien ist Showroom, Atelier und Veranstaltungsort zugleich – vor allem aber liefert er eine ziemlich zeitgemäße Antwort auf die Frage, wie ein Modesalon heute aussehen könnte.

La Katz setzt auf Seide, auf hochwertige Naturmaterialien und klare Silhouetten. Die Kollektionen sind klein gehalten und bewegen sich irgendwo zwischen Wiener Eleganz und modernem Glamour. Inspiration kommt von Reisen, ikonischen Frauen sowie einer gewissen Lust an der Opulenz. Klingt nach viel? Ist es auch, aber ohne den Staub, der historischen Luxus mitunter begleitet. Denn das House of Katz interessiert sich weniger für das klassische Prinzip „Kleider anschauen, Kleider kaufen“. Stattdessen geht es um eine ganze Welt rund um die Mode. Private Appointments, Ausstellungen, Dinner, Lesungen und Kooperationen finden hier ebenso ihren Platz wie das Atelier selbst. Der Salon wird damit zur Verlängerung der Marke.

Dass diese Grenzen bei La Katz ohnehin gern mal verschwimmen, zeigen auch die bisherigen Kooperationen. Gemeinsam mit der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten entstand eine Champagnerschale. Mit dem deutschen Glashersteller Stölzle Lausitz arbeitet das Label derzeit an einem weiteren Projekt, das noch in diesem Jahr vorgestellt werden soll. Der Kleiderschrank bleibt also nicht lange allein.

Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich klassisch: der Salon als Treffpunkt. Nur wurde das Konzept hier gründlich modernisiert. Statt eines steifen Gesellschaftszimmers entsteht ein Raum, in dem unterschiedliche Dinge nebeneinander funktionieren dürfen. Mode trifft auf Design, ein Dinner auf eine Ausstellung, ein Gespräch auf ein Glas Champagner. Man könnte auch sagen: weniger Eventlocation, mehr gute Gastgeberin.

Damit greift das House of Katz eine Tradition auf, die in Wien ohnehin nie ganz verschwunden war. Die europäischen Salons waren einst Orte des Austauschs, an denen Künstler, Designer, Schriftsteller und die Gesellschaft aufeinandertrafen. La Katz übersetzt dieses Prinzip in eine Gegenwart, in der sich kulturelle Kategorien ohnehin immer weniger sauber voneinander trennen lassen. Und in der ein schöner Raum mindestens so viel erzählen kann wie ein schönes Kleid.

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