Królik zeigt, wie modern traditionelle Fliesenkunst sein kann

Aleksandra Żeromska stammt aus Polen, sammelte nach ihrem Studium in Luzern aber zunächst Erfahrung in Spanien, unter anderem bei dem berühmten Porzellanunternehmen Lladró Królik verpasst dem traditionellen gefliesten Ofen „Piec Kaflowy“ eine neue Hülle. ©Courtesy of Królik.

Mit Fliesen in mutigen Farben und Formen verzaubert eine polnische Manufaktur alle mit einem Faible für Außergewöhnliches.

Am Rande des Podlasie-Waldes, unweit der Stadt per Hand her. Nun tritt ihr jüngstes Kapitel ins Rampenlicht: Królik, eine Marke, die polnisches Handwerk und zeitgenössisches Design zu etwas Unvergleichlichem verbindet.

Wenn man sich mit handgemachten Fliesen beschäftigt, schweifen die Gedanken schnell in den Süden: nach Italien, Spanien und natürlich auch nach Portugal. Die Realität sieht mittlerweile allerdings anders aus. Die meisten Fliesen kommen aus China und damit aus der Massenproduktion. In dem kleinen Ort Hryniewicze, in einer unscheinbaren Manufaktur am Waldrand, jedoch entstehen nun schon seit drei Generationen Fliesen, die noch in echter Handarbeit hergestellt werden.

Die Geschichte der Kaflarnia Karny, auf Deutsch in etwa Kachelmanufaktur Karny, beginnt 1936 mit der Ausbildung von Alfons Karny in einer Białystoker Werkstatt. Heute führt dessen Enkelsohn Rafał mit seiner Frau Sylwia den Betrieb am selben Standort weiter, den Rafałs Vater Krzysztof 1985 eröffnet hat.

Was den Betrieb von der industriellen Fliesenproduktion unterscheidet, die heute den globalen Markt dominiert, lässt sich schlicht sagen: Hier hat jede Kachel ein handgeformtes Relief, eine individuelle Glasur und eine Herkunft, die man an der Oberfläche ablesen kann.

Wer verstehen will, was in Hryniewicze hergestellt wird, sollte nach Warschau reisen – oder sich zumindest der Geschichte der Stadt widmen. Im dortigen Königsschloss wärmt ein Kachelofen der Kaflarnia Karny den Raum. Die Manufaktur ist der einzige Fliesenhersteller Polens, der ein Royal Warrant besitzt, ein königliches Gütesiegel.

Sie realisierte darüber hinaus Restaurierungsprojekte für das Museum des Wilanów-Palasts von König Jan III. Sobieski, für historische Kirchen in Białowieża und mehrere Herrenhäuser. Hier kommt das gesammelte Fachwissen aus

Das Design von Aleksandra Żeromska im Salon Jaskółka.© Courtesy of Królik.

Jahrzehnten zusammen, um ein Stück historisches Polen wieder auferstehen zu lassen.

Jede Królik-Kachel beginnt als Handzeichnung von Designerin Aleksandra Żeromska. Nach ihrer Vorlage schnitzen die Werkstattmeister, die meisten seit über fünfzehn Jahren im Unternehmen, eine dreidimensionale Form aus Gips, verfeinern sie durch extensives Prototyping und gießen dann flüssigen Tonschlicker mit der Konsistenz von Sahne hinein.

© Courtesy of Królik.

Nach wochenlanger Trocknungszeit folgt der erste Brand bei über 1000 Grad Celsius. Die Glasur aus pulverisiertem Glas, das mit Metalloxiden eingefärbt ist, wird per Hand aufgesprüht; Królik bietet hier 44 tiefe, gesättigte Farbtöne. Basreliefs und Wandskulpturen werden anschließend zusätzlich von Hand bemalt, mitunter mit flüssigem 24-Karat-Gold, bevor ein zweiter Brand die Oberfläche versiegelt.

© Courtesy of Królik.

Produziert wird in kleinen Serien, weil Gipsformen mit der Zeit nachgeben und jede neue Auflage eine neue Form verlangt.

Um in Form zu kommen, wird der Ton mithilfe von zwei Methoden verarbeitet: entweder per Hand oder mit einer hölzernen Presse, die das Relief in die weiche Masse drückt.© Courtesy of Królik.

Dass eine fast neunzig Jahre alte Manufaktur mit einer neuen Marke antritt, ist keine Selbstverständlichkeit. 2024 holte Rafał Karny die Künstlerin Aleksandra Żeromska als Creative Director ins Haus – eine Wahl, die man versteht, sobald man ihre Arbeit kennt.

Żeromska ist bekannt dafür, Alltagsobjekte in etwas Magisches zu verwandeln, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ihr Ansatz, den sie als „Design for Craftsmanship“ beschreibt, dreht das gängige Verhältnis um: Das Design dient dem Handwerk, nicht umgekehrt.

Konkret bedeutet das, dass jedes Motiv so angelegt ist, dass es im Relief lebt: ein Luchs, der sich über eine Kachelfläche streckt, ein Frosch, der so selbstverständlich auf seiner Kachel sitzt, als befände er sich im Podlasie-Wald vor den Türen der Manufaktur. Alle Entwürfe entstehen als Handzeichnungen. Die Werkstattmeister übersetzen sie dann in dreidimensionale Keramik.

Die farbige Glasur wird in einem aufwendigen Sprühverfahren von Hand aufgetragen – eine Technik, die jahrelange Erfahrung erfordert, um eine makellos gleichmäßige Farbfläche ohne jegliche Ablaufränder zu erzielen.© Courtesy of Królik.

Der Name Królik bedeutet im Polnischen sowohl Hase als auch, etwas weniger offensichtlich, kleiner König. Żeromska entwarf die ersten beiden Kollektionen „Nowy Eden“ (neues Eden) und „Radość“ (Freude, Glück).

Erstere ist das üppigere Statement: großformatige Kacheln mit Tieren wie Luchs, Hase, Frosch oder Schlange, mit organischen Blattformen in Erdfarben bis hin zu satten Grüntönen. An einer voll verkleideten Wand entwickeln sie eine erzählerische Dichte, die man sonst eher von Tapeten kennt. Mit dem Unterschied, dass die Fliesen nicht verblassen und auch nicht nach drei Jahren erneuert werden müssen. Die Fliesen sind dafür gemacht, über Jahrzehnte ihren Dienst zu leisten.

Die "New Eden" Kollektion im Restaurant Kwiat Kończyna.©

Die zweite Serie „Radość“ ist ruhiger und weniger verträumt: Mit Herzen, Klee,

Apple Heart Vase.© Alicja Lesiak.
© Alicja Lesiak.
Kleeblatt.© Alicja Lesiak.

Mohn, Margeriten und Veilchen setzt sie mit universellen Symbolen des Glückes kleine Akzente. Beide Kollektionen sind in individuellen Größen, Farben und Glasuren bestellbar; die Manufaktur arbeitet direkt mit Innenarchitekten und Privatpersonen zusammen.

Was Królik interessant macht, ist nicht allein das Produkt, sondern auch die Geschichte dahinter. Es ist eine Manufaktur, die für Könige Öfen baut und gleichzeitig mit einer zeitgenössischen Designerin arbeitet. Ein Betrieb, der den Begriff „Kaflarnia“ bewusst im Namen trägt, weil das Wort aus dem Polnischen sonst zu verschwinden droht – und weil man mit einem Handwerk auch dessen Sprache erhält.

krolik1936.com

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