In Long Islands buntestem Designhaus

©Nick Johnson.

Mehr ist mehr: Hip-Hop der 1990er-Jahre und Retrosportkultur inspirierten dieses maximalistische Ferienhaus in Long Island.

Man weiß gar nicht, wo man hier anfangen soll. Kern? Oder mit der knallblauen Music-Lounge? Am besten tritt man zunächst einen Schritt zurück und lässt alles auf einmal wirken. Die poppigen Farben, die mutigen Möbel. Den Maximalismus, der hier gefeiert wird. Es ist ein Haus wie eine Party.

In der Music-Lounge sitzt man besonders gemütlich – dank „Origami Armchair“ von Royal Stranger und Sofa von Roche Bobois.© Nick Johnson.

Eine Familie aus New York City mit Unternehmen in der Sportbranche hat sich in Long Island diesen wilden Traum von einem Ferienhaus erfüllt. „Sie wünschten sich einen Ort, der Spaß macht und sich vollkommen von ihrem Stadtdomizil unterscheidet“, sagt die Designerin Shanna Gatanis, die mit ihrem Studio das Haus gestaltet hat. „Sie gaben uns völlige Freiheit und die Erlaubnis, Grenzen zu überschreiten“.

Dinniert wird auf „Glazy“- Stühlen von Royal Stranger unter einer Leuchte des Designers Andreea Avram Rusu aus Brooklyn.© Nick Johnson.

Das Haus ist ein zeitgenössischer Neubau, fertiggestellt im Jahr 2020, mit klaren Linien, markanten Winkeln und großzügigen Glasflächen, die die Innenräume mit natürlichem Licht durchfluten. Es ist über 1000 Quadratmeter groß, hat fünf Schlafzimmer. Und es thront auf einer Anhöhe und bietet außergewöhnliche Blickachsen hinunter auf den Basketballplatz, mehrere Gärten, eine Feuerstelle, den Pool sowie die alten Bäume, die das Grundstück rahmen.

Mitten im Grü- nen entspannt man hier am eigenen Pool. Für schlechtes Wetter gibt es auch ein Indoorbecken. Damit man beim Schwimmen nicht nass wird.© Nick Johnson.
Im Pool-Pavillon leuchten auf einem Maßteppich von Art + Loom die quietsch-bunten Sitz-Edelsteine aus Acrylharz von Objects of Common.© Nick Johnson.

Ursprünglich war es in einer minimalistischen, komplett weißen Farbpalette konzipiert worden. „Die größte Herausforderung war, ihm Wärme, Freude und Persönlichkeit zu verleihen, ohne die klare, moderne Architektur zu überladen“, erklärt die Innenarchitektin.

Die Liebe der Hausbesitzer zu Sport, Hip-Hop und der New Yorker Kultur wurde zum Leitmotiv. Das Designteam ließ sich von Hip-Hop-Albumcovers der 1990er-Jahre und Retrosportkultur inspirieren. Die allererste Entscheidung war ein Turnhallenboden aus recycelten Nike-Sneakern. Sein Kaleidoskop aus Farben inspirierte die gesamte Palette: tiefes Blau, Pink, Gelb, Grün, Rot, Schwarz und Umbra.

© Nick Johnson.

Das Blau wurde zum Anker, während die kräftigen Farben Rhythmus, Spielfreude und Leichtigkeit einbringen. Die Retropalette ist so raffiniert eingesetzt, dass sie zugleich nostalgisch und frisch wirkt. „Hier ist Farbe nicht nur visuell, sondern emotional. Sie soll sofort beim Eintreten Glücksgefühle auslösen“, erläutert Gatanis.

© Nick Johnson.
© Nick Johnson.
© Nick Johnson.
In der Küche strahlt ein Kronleuchter aus Vintage-Muranoglas von 1stDibs. Zuschauer entspannen beim Kochen auf Barhockern von Olivya Stone. © Nick Johnson.

Ihr Team arbeitete mit dem in Brooklyn ansässigen Lichtdesigner Avram Russo zusammen, ließ Teppiche über Art + Loom maßanfertigen und kuratierte Stücke von Kith. Skulpturale Arbeiten für Teppiche und Kunst von Jenna Krypell sowie europäische Vintage-Leuchten fügen Ebenen von Kunstfertigkeit und Geschichte hinzu.

Ein Großteil der Möbel wurde im Shanna Gatanis Studio von Hand skizziert und in New York gefertigt, um das Design persönlich zu halten. Dazu hat der Graffitikünstler Jake Klone ein Wandbild für die Familie geschaffen, das Brooklyn, Biggie und die Knicks feiert. „Die Reaktion der Familie, besonders der Kinder, war unglaublich – als würde ihre Welt an den Wänden lebendig werden“, so Gatanis.

Die Innenarchi- tektin Shanna Gatanis hat auch das New Yorker Penthouse von Jeff Bezos gestaltet. Früher war sie als Roadie mit Musikern wie Bob Dylan unterwegs.© Michael Scott Photography.

Und dass hier wirklich an alles gedacht wurde, zeigt auch noch dieses kleine Detail: Falls es einem nämlich mal zu viel werden sollte mit all den Reizen, dann hat das Haus auch noch einen Zengarten zum Runterkommen.

Mehr spannende Artikel für Sie