Ein Haus in Michigan macht aus Schiefer und Holz eine Studie des Lichts

©Rafael Gamo.

In einem Vorort von Detroit wirkt dieses Haus zu jeder Tageszeit anders. Weil es sich auf zwei besondere Materialien fokussiert.

Wer seinen Garten seit mehr als 40 Jahren pflegt, der möchte ihn auch genießen. Vor allem natürlich im Freien, aber am besten auch vom Haus aus. Deshalb wählte die Eigentümerin, eine Galeristin und ehemalige Kuratorin für asiatische Kunst, mit den in Michigan ansässigen Architekten von Disbrow Iannuzzi einen besonderen Grundriss: eine Y-Form, die das Verhältnis des Hauses zu seiner Umgebung entscheidend prägt. So sind drei Flügel entstanden, die sich jeweils zu einem anderen Bereich des Gartens hin öffnen. Große Glaswände ermöglichen stets den unverstellten Blick nach draußen.

Seit 40 Jahren kümmert sich die Eigentümerin um ihren Garten. Das Haus wurde um ihn herum geplant.©Rafael Gamo

Das 370 Quadratmeter große Haus steht auf einem parkähnlichen Grundstück in Birmingham, Michigan, einem kleinen Vorort im Norden der US-Metropole Detroit. Der River Rouge fließt am Grundstück vorbei in Richtung seiner Mündung in den Detroit River. Das Gebäude tritt bewusst in den Hintergrund, entsprechend bedacht und zurückhaltend ging man bei dem Projekt zu Werke. Gerade einmal zwei Hauptmaterialien prägen es.

Große Glaselemente im ganzen Haus setzen die edlen Pflanzen im parkähnlichen Garten skulptural in Szene.© Rafael Gamo.

Das eine ist schwarzer Schiefer, aus einem einzigen Steinbruch gewonnener feinkörniger Naturstein. Er wurde zu Dachschindeln gespalten, für die Fassaden als Bruch- und Werkstein zugeschnitten, zu Platten für horizontale Flächen verarbeitet und geschliffen, für die Einfahrt zerkleinert und verdichtet. Selbst die beim Zuschnitt anfallenden Reste wurden in Drahtgitterkörbe gefüllt und als Stützmauern eingesetzt. „Bei diesem Haus konnten wir das Potenzial eines einzigen Baumaterials umfassend erforschen”, sagt Architekt Jonathan Disbrow; „wie sich der Schiefer je nach Verarbeitung optisch verändert oder wie Sonnenlicht und Witterung unsere Wahrnehmung des Materials beeinflussen. Während eines Tages wandelt sich die Steinfassade. Zu bestimmten Zeiten sind ihre Maserung und Farbnuancen sofort erkennbar. Wenn die Sonne stärker und direkt scheint, betonen Licht und Schatten auf der Wandoberfläche die Textur und den dramatischen Charakter des Schiefers.”

Selbst der achtbeinige Esstisch „La Basilica” von Mario Bellini für Cassina wurde – Überraschung! – aus Eschenholz gefertigt.© Rafael Gamo.
Im Eingangsbereich bildet die Sitzbank von George Nakashima einen kleinen Kontrast zum hellen Holz. © Rafael Gamo.
Im Hauptbad wurden großformatige weiße Feinsteinzeugplatten verbaut. An der Wand setzt ein gespiegelt verlegter Quarzit einen markanten Akzent. © Rafael Gamo.
Aus der Luft ist die Y-Form des Hauses gut zu erkennen. Dach und Fassade bestehen aus schwarzem Schiefer, ebenso wie der Schotter in der Einfahrt. © Rafael Gamo.

Das zweite Baumaterial ist Weißesche, ein hartes Laubholz. Die Wahl trägt auch der langen Familiengeschichte der Hausbesitzerin in der Holzindustrie Rechnung. Es wurde für die Decken-, Wand- und Bodenflächen ausgewählt, um ein geradliniges Erscheinungsbild zu schaffen. Um eine Reihe von Bronzegüssen zu präsentieren, wurde zudem eine lange Bank aus einer fast fünf Meter langen Eschenbohle gefertigt.

Stets stand die Verbindung zwischen innen und außen im Fokus. Von außen offenbaren die Öffnungen in der Schieferfassade das warme Holzinterieur. Jede von ihnen ist so in das Gebäude eingebettet, dass der Innenraum in den wärmeren Monaten vor der Sonne geschützt ist. Von innen offenbart sich durch jedes Fenster der Blick auf den parkähnlichen Garten. Die ruhigen Räume rahmen die sorgfältig inszenierten Szenen ein. Da die Landschaftsgestaltung bewusst so konzipiert ist, dass sie vom Inneren des Hauses aus erlebt werden kann, avancieren die vielschichtigen Bepflanzungen, Oberflächen und skulpturalen Werke zu den Blickpunkten jedes Raumes. Und die gebaute und natürliche Welt treten in einen Austausch.

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