Christian Peters: Mehr Wärme, bitte!

Sonne, wo bist du, wenn man dich braucht? Ein Plädoyer für mehr Herzlichkeit.
Während ich Ihnen diese Zeilen schreibe, heult der erste Herbststurm durch die Straßen Hamburgs. Er fegt das Laub von den Bäumen, der Regen fällt wie aus den berüchtigten Eimern. Wohl denen, die es warm haben, denke ich, gieße einen Kaffee nach, stecke – ja, ich weiß, ich sollte es lassen: – mir eine Zigarette an, und das genüßlich … und denke an den Verkäufer der Obdachlosenzeitung, der heute morgen durchgefroren vor dem Supermarkt stand. Ein kurzer Dialog aus »Wie geht‘s?« – »Danke, geht so« – »Alles Gute«, mein wöchentlicher Obolus, gern gegeben.
Wie leben all jene, die es nicht warm haben, wenn es kalt ist? Ich freue mich auf die gemütlichen Tage mit denen, die mir nahe sind. Wohlverdiente Tage, denn dieses Jahr war keines der einfacheren. So schön die neue GOODLIFE geworden ist – an dieser Stelle einen herzlichen Verlegerdank an Christian Krug und seine Mittuenden! –, so sehr betrübt es mich in manchen Momenten, dass Wärme – verstanden als Freundlichkeit, Menschlichkeit, Zugewandtheit, als »Empathie«, um dieses Modewort zu gebrauchen – im Alltag unserer Gesellschaft wohl eine vergehende Eigenschaft wird … dabei bräuchten wir gerade in dieser Zeit der großen Unsicherheiten ein Vielmehr des Miteinander.
Auch das anhaltende Getöse um unsere Stadtbilder lässt mich wünschen, es würde versucht, mehr menschliche und sachliche Gemeinsamkeiten zu finden, statt Spaltendes. Wenn ich Ihnen das nächste Mal schreibe, wird diese »dunkle Jahreszeit« fast zu Ende sein – im März locken vielleicht schon erste Vorboten des neuen Frühlings, die Tage werden wieder länger sein, das Licht ein anderes.
Ich erinnerte mich kürzlich an das wunderbare Gedicht »Das Frühjahr« von Bert Brecht, das endet mit: »Maßlos ist das Wachstum der Bäume und Gräser / Im Frühjahr. / Ohne Unterlaß fruchtbar / ist der Wald, sind die Wiesen, die Felder. / Und es gebiert die Erde das Neue / Ohne Vorsicht.«
Setzen wir auf Wachstum, Fruchtbarkeit und das Neue – und den Mut, den es braucht, dieses zu schaffen. Und auf mehr des Schönen für Sie, liebe Leserinnen und Leser, und für jene, die an den Rändern stehen. Wir von GOODLIFE werden das unsere dazu beitragen.